Back to Top

Heilpraktikerin Cornelia Wiemert ● Wildensteiner Strasse 32, 10318 Berlin

+49(0) 3051488577  Mobil: +49(0) 15254767632

kontakt@burnouthilfe-und-praevention.de

Wie "normal" sind Depressionen heute?

Hinter einem Burnout kann sich immer auch eine handfeste  Depression verstecken, bzw. daraus resultieren. Bei einem Burnout spielt die permanenten Überlastungs- aber auch Unterforderungssituation eine große Rolle, oft sind die Symptome sehr ähnlich. Die Betroffenen setzen sich selbst unter Druck und erleben ihren Alltag mit immer mehr Stress, sie fangen an ihr Selbstvertrauen zu verlieren. Durch diesen andauernden Selbstzweifel können diese bis in Depressionen übergehen, so das ein Unterschied oft nicht zu erkennen ist.

In der Regel leidet nicht nur der an einer Depression erkrankte Mensch, auch seine Angehörigen leiden mehr oder weniger direkt oder indirekt unter der Erkrankung. Sie werden in Mitleidenschaft gezogen und befinden sich so, in einer schwierigen Situation.

Sie haben keine Erfahrung mit dieser für sie, zumindest am Anfang, unbegreifbaren Erkrankung und verwechseln die Depression mit einer Verlust- oder Trauerreaktion. Dadurch wird die Behandlung der Krankheit hinausgezögert. Erst nach einiger Zeit, wenn sich neben der Traurigkeit auch andere Anzeichen der Erkrankung bemerkbar machen, z. B. anhaltende Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Schlafstörungen auftreten, wird erwogen, einen Arzt aufzusuchen.

 Besonders kompliziert wird diese Situation dann, wenn der nicht erkannte, depressiv Kranke auf die liebevolle Zuwendung seiner Angehörigen nicht reagiert. Die Angehörigen sind irritiert, weil sie das in sich zurückgezogene Verhalten des Depressiven als Missachtung ihrer Bemühungen interpretieren. So entsteht eine Verärgerung, die den Depressiven zwangsläufig noch tiefer in den Rückzug treibt. Die Eskalation der allgemeinen Situation und der Krankheit sind so zwangsläufig miteinander verbunden.

Die Angehörigen müssen, um sich dem Depressiven gegenüber richtig verhalten zu können, wissen, dass der Kranke unter seiner Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken, selbst am meisten leidet. Es geht hier nicht um eine absichtliche Verweigerung, um Lieblosigkeit oder gar Bösartigkeit, sondern um eine Störung, die Bestandteil und Ausdruck der Depression ist. Dieser Zustand wird sich aber im Laufe der Therapie wieder zum Besseren verändern. Auch den Angehörigen wird es dann erst in ihrer Beziehung zum Betroffenen und in ihrer persönlichen Situation wieder besser gehen.

Es ist zu erkennen, dass die Depression eine Erkrankung ist, die nicht nur den Einzelnen, sondern das ganze mit ihm in Verbindung stehende System betrifft. Dabei können Wechselwirkungen sowohl vom Erkrankten auf das System, aber auch vom System auf den Erkrankten beobachtet werden. Das gilt nicht nur für das kleine System einer Familie oder Lebensgemeinschaft, sondern auch für das große, übergeordnete System „Gesellschaft“.

In den Industrienationen erkrankt heute etwa jeder Vierte einmal im Leben an einer Depression. Dabei beträgt das Risiko, einmal im Leben depressiv zu werden, für Frauen zwischen 20 und 30, für Männer dagegen nur zwischen 10 und 15 %. Diesem Verhältnis wird weder in der wissenschaftlichen Literatur noch in der Alltagssprache Rechnung getragen; denn so gut wie immer ist vom „Patienten“ die Rede, so gut wie nie von der „Patientin“.

Um der sprachlichen Einfachheit Willen wird auch in diesem Ratgeber darauf verzichtet, konsequent die weibliche und männliche Form zu verwenden. Deshalb Muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass mit „Patienten“ immer auch „Patientinnen“ gemeint sind. In diesem Zusammenhang sollte bemerkt werden, dass unsere Sprache nicht nur ein Zeugnis darüber ablegt, wie Geschlechts fixiert unsere Kultur ist, sondern auch darüber, wie wenig Ausdrucksmöglichkeit und Raum sie für das Weibliche lässt. So ist es dann auch zu verstehen, dass in dieser Kultur etwa zweimal mehr Frauen als Männer depressiv werden.

Ein anderes zum Verständnis der Depression beitragendes Zeugnis wird durch den Gebrauch des Wortes „normal“ gegeben: Depressive Erkrankungen sind heute so weit verbreitet, dass sie in der wissenschaftlichen Literatur als eine „völlig normale“ Reaktion bezeichnet werden vorausgesetzt natürlich, dass sie „uns nicht bei unseren Alltagsaufgaben behindern“.

Ganz abgesehen davon, dass Depressionen auch als Begleiterkrankungen oder Folge verschiedener körperlicher Zustände z.B. in Zusammenhang mit einer Schilddrüsenunterfunktion, nach einer Infektionserkrankung oder durch die hormonelle Umstellung nach einer Geburt, auftreten können, ist dies ein Zynismus. Denn selbst wenn Depressionen im statistischen Sinn „normal“ sind, kann man sie doch nicht als normalen oder gesunden Zustand betrachten. Nach der statistischen Definition von Normalität wären dann nämlich auch die meisten Zivilisationskrankheiten, egal ob es sich um Rückenbeschwerden, Kurzsichtigkeit oder Übergewicht handelt, als „normal“ zu akzeptieren.

Depressionen sind ein Symptom unserer Zeit und in Zusammenhang mit ihrer zunehmenden Häufigkeit stellt sich für viele Ärzte, aber auch den Patienten, die berechtigte Frage, ob unsere Gesellschaft selbst krank ist.

Großfirmen, multinationale Konzerne, anonyme Behörden und eine den Einzelnen überwältigende Massen- und Medienkultur erzeugen bei vielen ein immer stärkeres Gefühl von Ohnmacht, von Orientierungs- und Hilflosigkeit und die Depression erscheint so als durchaus angemessene Reaktion auf eine Welt, in der es kaum noch andere Möglichkeiten als den inneren Rückzug gibt.

Trotzdem ist es weder richtig noch hilfreich, hier allein „der Gesellschaft“, „den Umständen“ und „den Anderen“ die Verantwortung zuzuschieben, denn der Rückzug in die Depression wird erst dann unumgänglich, wenn die eigenen Werte verlorengegangen sind und eine innere Orientierung am Selbstwert nicht mehr möglich ist. Je schneller und unüberschaubarer die Welt sich verändert, desto unmöglicher , wird eine Orientierung an äußeren und fremden Werten, desto notwendiger wird die Abgrenzung nach außen und eine innere Orientierung anhand der persönlichen Werte und Bedürfnisse.

„Der Rückzug in die Depression“ Muss so gesehen als eine innere Suche nach der eigenen Orientierung verstanden werden: der Betroffene kann und wird sich seiner Umgebung erst wieder öffnen, nachdem er für sich und sein Leben einen persönlichen Sinn und eine eigene Richtung gefunden hat. Der an einer Depression Erkrankte braucht viel Zeit für seine innere Arbeit. Eingriffe von außen, selbst gut gemeinte Ratschläge, werden seiner persönlichen Suche kaum gerecht.

Diese innere Suche sollte durch Partner, Verwandte, Freunde, Ärzte und Psychotherapeuten verstanden und durch geduldige Zuwendung unterstützt werden.

Unterschiedliche Sichtweisen der Depression

Niemand wird, wenn er realistisch ist, erwarten, dass alle Menschen immer fröhlich sind. Selbst Kinder, die diesem Naturell meist noch sehr nahe stehen, sind nicht ständig fröhlich. Trotzdem hat der im allgemeinen etwas gedrückte Zustand eines „ernsthaften Erwachsenen“ wohl nichts mit einer Depression zu tun.

Der Gesunde fühlt sich bei dem, was er tut, im Gegensatz zum Kranken „wohl“. Gelegentlich kann sich dieses „Wohlfühlen“ zu Freude steigern, häufig empfindet man aber auch Unlust, Traurigkeit und Enttäuschung. Das ist normal. Um den Unterschied zwischen diesem Normalzustand und einer Depression klar zumachen, kann man den Menschen mit einem Musikinstrument, z. B. mit einer Geige vergleichen. Wenn die Saiten richtig gestimmt sind, vibrieren sie und klingen. Man kann dann unterschiedliche Lieder darauf spielen, frohe und traurige Lieder. Wenn die Saiten verstimmt sind, kommt nur noch ein Missklang aus dem Instrument. Wenn sie überhaupt nicht mehr gespannt sind, kommt auch kein Klang mehr zustande. Das Instrument ist dann „stumm“, es kann nicht mehr reagieren. Das ist auch der Zustand eines an einer Depression erkrankten Menschen.

Er kann nicht mehr froh und nicht mehr traurig sein. Der Zustand der Depression unterscheidet sich von allen anderen Gemütszuständen durch die Unfähigkeit zu reagieren. Ein Entmutigter fasst wieder Mut, wenn sich die Situation ändert, die ihn bedrückt hat. Das Gesicht eines düster Gestimmten hellt sich auf, wenn eine Aussicht auf Vergnügen besteht. Aber dem Depressiven entlockt nichts eine Reaktion, oft dient eine Freude sogar dazu, seine Depression noch zu vertiefen.

Bei Menschen, die an einer schweren Depression erkrankt sind, ist das Fehlen der Fähigkeit, auf die Welt zu reagieren, deutlich zu erkennen. Sie können stundenlang vor sich hin brüten und ins Nichts starren. Sie verbringen oft den größten Teil des Tages im Bett und finden nicht die Kraft und den Mut, sich dem Strom des Lebens anzuvertrauen. Glücklicherweise sind die meisten Fälle nicht so extrem. Meist sind die Erkrankten in der Lage, ihre Alltagsroutine fortzuführen. Sie tun, was notwendig ist, und erscheinen dem flüchtigen Beobachter als normal. Aber die Menschen, die mit ihnen zusammenleben und die sie gut kennen, wissen, wie es um sie steht. Trotzdem ist die Situation des Depressiven, wenn seine Krankheit länger andauert, sehr schwierig. Selbst Partner, Verwandte und Freunde können dann über die Gefühlsebene kaum noch mit ihm in Beziehung treten. Man kann ihm von außen nicht ansehen, wie es in seinem Innern aussieht.

Der Kranke fühlt sich häufig in einer Situation gefangen, die durch Schwäche, Energieverlust, totale Erschöpfung und verminderte Konzentrationsfähigkeit gekennzeichnet ist. Er hat das quälende Gefühl, unzulänglich und nutzlos zu sein und leidet dabei unter Schuldempfinden und einem herabgesetzten Selbstwertgefühl. Er grübelt über den Tod und darüber, dass das Leben nicht länger lebenswert ist.

Ein innerer Zustand nicht erklärbarer Spannung, Angst oder Hilflosigkeit äußern ‚sich als Unruhe, Rastlosigkeit oder häufig auch als auffallende Bewegungslosigkeit und Ausdruckslähmung. Schlafstörungen wie z.B. Probleme beim Einschlafen, zu frühes Erwachen manchmal aber auch ein übermäßig starkes Schlafbedürfnis sind häufig. Körperliche Beschwerden, z.B. Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, eine allgemeine Kraftlosigkeit, eine Abnahme der sexuellen Bedürfnisse, all das sind Anzeichen für eine depressive Erkrankung.

Sie können von Fall zu Fall verschieden sein und treten nur selten gleichzeitig und gehäuft auf. Im Gegensatz zu körperlich Kranken werden psychisch Kranke weniger ernst genommen. Sie haben bei der Arbeit, besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten, häufiger Schwierigkeiten als diejenigen, die durch offensichtliche Symptome den allgemeinen Vorstellungen von Krankheit besser entsprechen. Diese Schwierigkeiten werden oft noch zusätzlich durch eine für depressiv kranke Menschen typische Einstellung verstärkt. Sie glauben, dass die durch die Depression ausgelöste Leistungsunfähigkeit ihr Fehler sei. Sie suchen die „Schuld“ bei sich, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Situation als Krankheit zu akzeptieren. Sogar wiederholt an einer Depression erkrankte Menschen erleben sich, wenn sie einen Rückfall erleiden, immer wieder als „Versager“. Sie können es nur schwer akzeptieren, dass sie krank sind. Aber ihnen könnte besser geholfen werden, wenn sie verstehen würden, dass sie in ihrer Depression hilfs- und behandlungsbedürftig sind.

Partner und Angehörige depressiv kranker Menschen sind oft in einer schwierigen Situation. Sie können es nicht verstehen, wenn der Kranke auf liebevolle Zuwendung kaum oder gar nicht reagiert. Sie wissen nicht, dass er kaum emotional reagieren kann, weil ihm vielleicht die Verbindung zu seinem eigenen Gefühlen fehlt.

Vielleicht können Sie es jetzt verstehen, dass es sich, wenn Sie keine Reaktion auf Ihre Zuwendung bekommen, nicht um einen absichtlichen emotionalen Rückzug, sondern um eine Störung durch die Depression handelt. Wenn Sie akzeptieren, dass das „Nicht können“ oder besser das „Nicht wollen können“ zu den wesentlichen und typischen Anzeichen der Depression gehört, dann werden Sie sich auch nicht wie es sonst schnell passieren kann von einem „undankbaren Kranken“ zurückziehen, sondern ihn immer wieder einbeziehen und so eine die Heilung erschwerende, zusätzliche Isolation erst gar nicht entstehen lassen.

Dabei ist es für Sie sehr wichtig, sich nicht von der Hoffnungslosigkeit, die vor allem von sehr schwer depressiv Kranken ausstrahlt, anstecken zu lassen. Versuchen sie immer wieder, den Kranken durch kleinere Anforderungen in die täglichen Abläufe einzubinden und zu aktivieren. Dabei sollten sie aber vor allem, wenn es sich um eine schwere Form der Depression handelt, bei der der Kranke kaum noch über einen eigenen Antrieb verfügt nicht zu viel Eigeninitiative erwarten.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen  können auch gut zu einer Burnout Erkrankung gehören. Auch da verliert man den Lebensrhythmus und betrachtet sich bei seiner Suche nach der Schuldfrage als Versager. Oft ist die Diagnosefindung noch verzwackter, denn häufig stehen die körperlichen Beschwerden im Vordergrund. Es wird gesucht häufig nichts gefunden, letzten Endes werden die Betroffenen in die psychosomatische Ecke geschoben, was die Erkrankten unter noch mehr Druck setzt  und die Selbstzweifel verstärkt.